
Chugoku-Reiseführer: Hiroshima, Miyajima und verborgene Schätze im Westen Japans
Der komplette Reiseführer für Japans Region Chugoku: der Friedenspark von Hiroshima, das schwebende Torii von Miyajima, der Korakuen-Garten in Okayama, die Tottori-Sanddünen und der heilige Izumo-Taisha-Schrein.
8. Aug. 2026·✍️ olablog·⏱ 9 Min. Lesezeit
Der komplette Reiseführer für Japans Region Chugoku: der Friedenspark von Hiroshima, das schwebende Torii von Miyajima, der Korakuen-Garten in Okayama, die Tottori-Sanddünen und der heilige Izumo-Taisha-Schrein.
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Die Region Chugoku (中国) an der westlichsten Spitze der Insel Honshu ist ein Ort, an dem zwei ganz unterschiedliche Seiten Japans aufeinandertreffen: Die Südküste blickt auf das ruhige Seto-Binnenmeer (瀬戸内海) und verbindet Hiroshima (広島), Miyajima (宮島) und Okayama (岡山) bequem entlang der Shinkansen-Strecke. Die Nordküste grenzt dagegen an das raue Japanische Meer und lockt mit den windgepeitschten Tottori-Sanddünen (鳥取砂丘) sowie Japans ältestem Schrein, dem Izumo-Taisha-Großschrein (出雲大社). Die meisten internationalen Reisenden legen in Hiroshima nur einen kurzen Zwischenstopp von einem halben Tag ein, bevor sie weiterreisen – eine verpasste Gelegenheit, denn Chugoku verdient problemlos 3 bis 4 eigene Reisetage. Dieser Reiseführer deckt beide Küsten ab und bietet Tipps zur Anreise, praktische Empfehlungen sowie einen Routenvorschlag.
Hiroshima (広島) – Friedenspark und eine widerstandsfähige Stadt

Heute ist Hiroshima eine lebendige, grüne und junge Stadt – eine bemerkenswerte Entwicklung, die den Besuch des Friedensparks (平和記念公園) umso bewegender macht. Der Genbaku-Dom (原爆ドーム, Atombombenkuppel), das einzige Bauwerk in der Nähe des Epizentrums der Atombombenexplosion von 1945, das stehen blieb, ist in seinem Zustand unmittelbar nach der Katastrophe erhalten und erinnert eindringlich an die Verantwortung der Menschheit. Das Friedensmuseum von Hiroshima (広島平和記念資料館) erzählt anhand bewahrter Gegenstände die zutiefst persönlichen Geschichten einzelner Opfer. Plane mindestens zwei Stunden ein und bereite dich emotional auf den Besuch vor – er ist äußerst bewegend und bringt viele Besucher zum Weinen, bleibt aber ein unverzichtbares Ziel.
Nach diesem nachdenklichen Vormittag holt dich die Stadt mit ihrem lebhaften modernen Puls wieder ab: Hiroshima-Okonomiyaki ist ein herzhaft geschichteter Pfannkuchen mit Nudeln, Kohl, Schweinefleisch und Ei. Besuche Okonomimura (お好み村), eine berühmte Markthalle mit Dutzenden Ständen rund um brutzelnde Teppan-Grills. Ein reichhaltiges Gericht kostet dort etwa $7–$10 USD (¥1,000–¥1,500 JPY). Am späteren Nachmittag kannst du bei einem entspannten Spaziergang durch die rekonstruierte Burg Hiroshima (広島城) und den nahe gelegenen Garten Shukkeien (縮景園) zur Ruhe kommen.
Miyajima (宮島) – Das schwebende Torii und freilaufende Hirsche

Nur 45 Minuten mit Zug und Fähre vom Zentrum Hiroshimas entfernt liegt Miyajima, offiziell Itsukushima (厳島) genannt. Die Insel beherbergt eines der berühmten „Drei schönsten Landschaftsbilder Japans“. Das zinnoberrote große Torii des Itsukushima-Schreins (厳島神社) steht direkt in der Bucht und scheint bei Flut magisch auf dem Wasser zu schweben. Der Schlüssel zu einem perfekten Besuch liegt in der richtigen Planung, damit du beide Perspektiven erleben kannst: Bei Flut thront das Torii majestätisch im Wasser, bei Ebbe zieht sich das Meer zurück und du kannst bis zu den Sockeln der gewaltigen Pfeiler laufen. Informiere dich daher vor der Reise unbedingt über die täglichen Gezeiten.
Auf der Insel streifen zutrauliche und selbstbewusste Hirsche frei durch die Straßen (behalte deine Papierkarten und Snacks gut im Auge!), während die belebte Omotesando-Straße (表参道) frisch gegrillte Austern und warme, ahornblattförmige Momiji-Manju-Küchlein mit süßer roter Bohnenpaste anbietet. Wenn es die Zeit erlaubt, kannst du mit der Seilbahn fahren oder auf den Gipfel des Mount Misen (弥山) wandern und dort einen atemberaubenden Panoramablick auf das von Inseln übersäte Seto-Binnenmeer genießen. Während viele Tagesausflügler nur einige Stunden bleiben, ist eine Übernachtung in einem traditionellen Ryokan auf der Insel ein unvergesslicher Luxus – besonders wenn die letzte Fähre abgefahren ist und das beleuchtete Torii in vollkommener Stille erstrahlt.
Okayama (岡山), Tottori (鳥取) und Izumo (出雲) – Verborgene Schätze an zwei Küsten

Okayama liegt zwischen Osaka (大阪) und Hiroshima an der Sanyo-Shinkansen-Strecke und beherbergt den Korakuen-Garten (後楽園), der als einer der Drei großen Gärten Japans gilt. Er wurde im 17. Jahrhundert angelegt und begeistert mit weitläufigen Rasenflächen, Teeplantagen und historischen Teehäusern, die sich in stillen Teichen spiegeln. Direkt auf der anderen Seite des Flusses erhebt sich die auffällige, tiefschwarze Burg Okayama (岡山城), auch Krähenburg genannt, als dramatischer Kontrast zum Grün. Okayama gilt stolz als Geburtsort des legendären Volkshelden Momotaro (Pfirsichjunge) und ist für seine süßen weißen Pfirsiche sowie sommerlichen Muskattrauben bekannt. Eine kurze 15-minütige Zugfahrt bringt dich nach Kurashiki (倉敷) in das historische Viertel Bikan. Dort sorgen von Weiden gesäumte Kanäle und weiß verputzte Reisspeicher aus dem 17. Jahrhundert für eine historische Atmosphäre, die von westlichen Reisegruppen weitgehend unentdeckt geblieben ist.
Die nördliche San'in-Küste wirkt wie eine völlig andere Welt. Die Tottori-Sanddünen erstrecken sich 16 Kilometer am Japanischen Meer entlang, während ihre Sandwände bis zu 50 Meter hoch aufragen. Auf diesen windgepeitschten Höhen zu stehen und über den tiefblauen Ozean zu blicken, fühlt sich an wie eine Reise in ein völlig anderes Land. Hier kannst du Kamelreiten, Sandboarden oder im angrenzenden Sandmuseum (砂の美術館) riesige Sandskulpturen bestaunen. Weiter westlich liegt in der Präfektur Shimane (島根) der Izumo-Taisha-Großschrein, der als ältester Shinto-Schrein Japans gilt und Okuninushi gewidmet ist, dem Gott der Ehe und des Glücks. Der Shinto-Tradition zufolge versammeln sich hier während des 10. Mondmonats acht Millionen Gottheiten aus ganz Japan. Charakteristisch für den Schrein ist die gewaltige, mehrere Tonnen schwere Shimenawa – ein heiliges Strohseil –, die über der Gebetshalle hängt. Auch das einzigartige Gebetsritual hebt ihn hervor: zwei Verbeugungen, viermal Klatschen und eine abschließende Verbeugung. Wer Izumo mit einem Besuch des original erhaltenen Bergfrieds der Burg Matsue (松江城) verbindet, erlebt einen äußerst lohnenden Tagesausflug entlang der Nordküste.
Beste Reisezeit
In der Region Chugoku herrscht ein milderes Klima als in vielen anderen Teilen Japans. Die allerbeste Reisezeit ist der Frühling (Ende März bis April), wenn rund um die Burgen von Hiroshima und Okayama sowie auf Miyajima die Kirschblüten aufblühen. Auch der Herbst (November) ist ideal: Dann verwandeln leuchtend rote Ahornbäume den Momijidani-Park (紅葉谷公園, Ahorn-Tal) auf Miyajima in eine spektakuläre, feuerrote Landschaft. Die Sommer sind warm und feucht, fallen jedoch mit Okayamas wichtigster Obsternte und farbenfrohen Feuerwerksfestivals an der Küste zusammen. Die Nordküste bleibt in den Sommermonaten meist kühler als der Süden.
Der Winter bringt an der Südküste milde Bedingungen – ideal für Besichtigungen ohne große Menschenmengen und um Miyajimas Austern zur Zeit ihres besten Geschmacks zu genießen (Dezember bis Februar). An der Nordküste kann es im Winter hingegen zu Schneeschauern und rauer See kommen. Wenn du dich für einen einzigen Zeitraum entscheiden musst, bietet Mitte November das beste Wetterfenster, um die gesamte Region zu erkunden.
Kulinarische Highlights der Region
Frische Meeresfrüchte aus dem Seto-Binnenmeer bilden die kulinarische Seele des südlichen Chugoku. Hiroshima produziert mehr als die Hälfte der in Japan gezüchteten Austern. Sie werden frisch gegrillt, in Panko frittiert oder in reichhaltigen Eintöpfen zubereitet. Gegrillter Anago (wilder Meeraal) auf Reis ist Miyajimas besondere Spezialität. Hiroshima-Okonomiyaki ist ein wichtiger Punkt des lokalen Stolzes – nenne es vor Einheimischen bloß nicht „Osaka-Okonomiyaki“! Okayama steuert erstklassiges Saisonobst und Barazushi (farbenfrohes, verstreutes Sushi) bei, während die Nordküste für die winterliche Schneekrabbe aus Tottori berühmt ist. Ein mehrgängiges Krabbenmenü kostet etwa $33–$67 USD / ¥5,000–¥1,0000 JPY. Außerdem gibt es dort Izumo-Soba, serviert in charakteristischen dreistöckigen Schalen aus rotem Lack.
Als essbare Souvenirs sind Momiji-Manju-Küchlein aus Miyajima besonders beliebt. Okayama bietet außerdem Kibi-Dango (süße Reisklößchen), die mit der Legende von Momotaro verbunden sind.
Unterwegs in der Region
Die wichtigste Verkehrsachse durch Chugoku ist die Sanyo-Shinkansen-Strecke entlang der Südküste. Die Fahrt von Osaka nach Okayama oder Hiroshima dauert nur etwa 1.5 Stunden. Wer am internationalen Flughafen Kansai (KIX) landet, kann mit dem JR Kansai-Hiroshima Area Pass ($113 USD / ¥17,000 JPY für 5 Tage) die Shinkansen-Fahrten auf dieser Strecke sowie die JR-Fähre nach Miyajima vollständig abdecken. Reisende, die beide Küsten erkunden möchten, sollten den größeren Sanyo-San'in Area Pass ($153 USD / ¥23,000 JPY für 7 Tage) in Betracht ziehen. Er gilt auch für nördliche Städte wie Tottori, Matsue und Izumo. Für die nördlichen Strecken nutzt du JR Limited Express-Züge (~2 bis 2.5 Stunden von Okayama nach Tottori) sowie regionale Linienbusse. Diese verkehren weniger häufig, weshalb eine sorgfältige Fahrplanplanung erforderlich ist.
In der Innenstadt von Hiroshima sind die historischen Straßenbahnen die bequemste und zugleich charmanteste Möglichkeit, sich fortzubewegen. Sie akzeptieren kontaktlose Zahlungen mit regionalen IC-Karten wie SUICA oder ICOCA sowie Tagespässe. Um nach Miyajima zu gelangen, nimm einen Regionalzug oder die Straßenbahn bis zum Bahnhof Miyajimaguchi (宮島口駅) und anschließend eine kurze 10-minütige Fährverbindung. Die von JR betriebene Fähre ist für Besitzer gültiger JR Pässe vollständig abgedeckt.
Routenvorschlag
Eine ausgewogene 4-tägige Route mit den Höhepunkten beider Küsten könnte so aussehen: Tag 1: Fahre mit dem Shinkansen nach Okayama und besichtige den Korakuen-Garten sowie die Burg Okayama. Verbringe den Nachmittag damit, durch Kurashikis historisches Kanalviertel zu schlendern. Tag 2: Reise nach Hiroshima und widme den Vormittag dem Friedenspark und dem Friedensmuseum. Am Abend kannst du bei Okonomimura Okonomiyaki essen. Tag 3: Fahre nach Miyajima und plane die Gezeiten so, dass du das große Torii sehen kannst. Wandere auf den Mount Misen oder nimm die Seilbahn. Übernachte entweder in einem Ryokan oder kehre nach Hiroshima zurück. Tag 4: Reise nach Norden und besuche entweder die Tottori-Sanddünen oder den Izumo-Taisha-Schrein und die Burg Matsue. Entscheide dich für eine Küstenrichtung, da die Entfernung zwischen den Zielen beträchtlich ist, und fahre anschließend zurück in Richtung Osaka.
Wenn dir nur 2 Tage zur Verfügung stehen, ist eine konzentrierte Route durch Hiroshima und Miyajima mit einer Übernachtung auf Miyajima eine unschlagbare Kombination. Auf OlaChills Japan Tours findest du komplette Reisepakete, die Chugoku mit Kansai verbinden. Ausführliche Reiseführer zu einzelnen Sehenswürdigkeiten gibt es im OlaChill Blog.
Chugoku ist ein Land faszinierender Kontraste: In Hiroshima weicht eine schmerzhafte Geschichte einem lebendigen modernen Geist, heilige rote Tore ragen aus den Gezeiten des Ozeans empor, und weite Sanddünen blicken über das Meer. Wer beide Küsten dieser Region erkundet, erhält ein tieferes, facettenreicheres und umfassenderes Bild Japans als fast überall sonst im Land.
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